Staten Island: New York Citys unterschätzter Borough und seine Legenden
provided by New York City Tourism + Conventions

Staten Island: New York Citys unterschätzter Borough und seine Legenden

Mit der Fähre zum bestgehüteten Geheimnis New Yorks

Letzte Änderung 02.06.2026

Die Staten Island Ferry ist nicht nur Transportmittel, sondern eine schwimmende Aussichtsplattform: Die Kameras richten sich auf die Skyline von Manhattan, die Freiheitsstatue zieht vorbei. Und nach der Ankunft am St. George Terminal auf Staten Island wartet der „forgotten borough“ von New York City! 

Eine Entdeckungsreise in den „forgotten borough“

Staten Island nimmt innerhalb New Yorks eine Sonderrolle ein. Anders als Manhattan, Brooklyn, Queens oder die Bronx ist der Borough nicht an das New Yorker Subway-Netz angeschlossen. Wer auf die Insel möchte, nimmt meist die Fähre durch den Hafen. Schon dadurch fühlt sich ein Ausflug hierher wie eine Reise in eine andere Stadt an.

Die Atmosphäre ist spürbar entschleunigt. Statt dichter Straßenschluchten prägen Wohnhäuser, kleine Geschäftsstraßen, Kirchen, Parks und Uferpromenaden das Bild. Der Stadtteil lebt von gewachsenen Nachbarschaften und kulturellen Traditionen, die über Generationen weitergegeben wurden.


Folklife: Die lebenden Geschichten der Insel

Kulturorganisationen wie Staten Island Arts verwenden den Begriff „Folklife“, um die lokale Alltagskultur sichtbar zu machen: Erzählungen, Musik, Handwerk, Feste, Rituale und kulinarische Erinnerungen, die Communities über Jahrzehnte bewahrt haben. Einige dieser Traditionen werden bei Festivals, Community Events oder Kulturprojekten auch für Gäste erlebbar.

Dazu gehören etwa liberianische Anansi-Geschichten: mündlich überlieferte Erzählungen rund um eine trickreiche Spinnenfigur aus Westafrika, die bis heute innerhalb der Community weitergetragen werden. Ein weiteres Beispiel sind die Mixtec-Traditionen aus dem Süden Mexikos, darunter religiöse Feierlichkeiten, Musik und Handwerkskunst. Gleichzeitig ist Staten Island Heimat einer lebendigen sri-lankischen Community, deren kultureller Einfluss in Restaurants, Tempeln und bei Musikveranstaltungen entdeckt werden kann.

Eine echte Institution und durch den Netflix-Film „Nonnas“ weltweit bekannt ist das Restaurant „Enoteca Maria“, in dem Großmütter aus aller Welt authentische, traditionelle Gerichte aus ihrer Heimat kochen und mit Wein und Erinnerungen servieren. 

Moderne Ausdrucksformen wie die lokale Hip-Hop-Kultur, Street Art und Community Storytelling gehören ebenfalls zum Folklife der Insel.



Maritime Atmosphäre in New York City

Auch das Wasser prägt Staten Island seit Jahrhunderten. Entlang der Küste entstanden Werften, Hafenbetriebe, Werkstätten und kleine Industrien, die den Alltag vieler Familien bestimmten. Besonders entlang der North Shore erinnern alte Lagerhäuser, ehemalige Hafenanlagen und historische Backsteingebäude an diese Vergangenheit. Gleichzeitig entwickelte sich die Insel zu einem wichtigen Ankunftsort für Einwanderer, Seeleute und Arbeiter, die über den Hafen nach New York kamen.

Heute lassen sich diese Spuren vielerorts noch entdecken – etwa rund um St. George und entlang der Waterfront-Promenaden mit Blick auf den New Yorker Hafen. Auch das historische Viertel Snug Harbor Cultural Center and Botanical Garden vermittelt ein Gefühl für Staten Islands maritime Vergangenheit. Die ehemalige Anlage für pensionierte Seeleute gehört heute zu den kulturellen Zentren des Boroughs.

Wie eng Wasser, Geschichte und lokale Legenden auf Staten Island miteinander verbunden sind, zeigt der sogenannte Staten Island Boat Graveyard im abgelegenen Rossville. Zwischen Schilf und Uferlandschaften verrosten dort seit Jahrzehnten alte Schlepper, Fähren und Fischerboote. Die Schiffsrümpfe wirken wie ein vergessenes Kapitel der maritimen Geschichte New Yorks.

Ein absolutes Must-see ist Fort Wadsworth an der Spitze von Staten Island, wo die Bay in den Hafen von New York mündet. Einst eine niederländische Blockhütte aus dem 17. Jahrhundert war die beeindruckende Anlage später einer der wichtigsten Verteidigungspunkte der Stadt. Heute laden Wege, Aussichtspunkte und Reste der alten Festungen zu Erkundungstouren mit Blick auf die Skyline und die gewaltige Verrazzano-Narrows Bridge ein.



Cropsey und Staten Islands düstere Seite

Vielleicht erklärt diese besondere Mischung aus Geschichte, Randlage und lokalen Erzähltraditionen, warum Staten Island ein Nährboden für urbane Legenden ist.

Die bekannteste ist die von Cropsey – Staten Islands eigenem „Boogeyman“. In den Erzählungen vieler Einwohner erscheint Cropsey als unheimliche Gestalt, die nachts durch die Wälder streift und Kinder verschleppt. Jahrzehntelang wurde die Geschichte vor allem als klassische Lagerfeuergeschichte weitererzählt – bis sich Mythos und Realität auf verstörende Weise miteinander vermischten.

Eine zentrale Rolle spielte dabei die ehemalige Willowbrook State School auf Staten Island. Die riesige Einrichtung für Kinder und Erwachsene mit geistigen Behinderungen geriet in den 1970er-Jahren wegen katastrophaler Zustände in die Schlagzeilen. Gleichzeitig erschütterten mehrere Vermisstenfälle die Insel und der Fall des Serienmörders Andre Rand, eines ehemaligen Mitarbeiters von Willowbrook, verschmolz mit dem Cropsey-Mythos.

Bis heute gehört Cropsey zu den bekanntesten Urban Legends von New York und inspiriert Dokumentationen, Podcasts und lokale Ghost Stories gleichermaßen.

Ein weiterer unheimlicher Ort ist das ehemalige Sea View Hospital, seinerzeit ein gewaltiges Tuberkulose-Sanatorium. Hinter den verlassenen Gebäuden verbirgt sich eine bedeutende Geschichte: Die „Black Angels“, afroamerikanische Krankenschwestern aus dem Süden der USA, unterstützten hier entscheidend den medizinischen Fortschritt im Kampf gegen Tuberkulose. Einige Gebäude des Komplexes wurden umgenutzt, andere stehen heute leer und sind dem Verfall preisgegeben.

Selbst um das fast 100 Jahre alte St. George Theatre ranken sich lokale Ghost Stories von flackernden Lichtern und Schritten auf verlassenen Korridoren. Der 1929 eröffnete Vaudeville- und Filmpalast verfiel ab den 1970er-Jahren zusehends und wurde erst Anfang der 2000er vor dem Abriss bewahrt. Heute zählt das restaurierte Theater wieder zu den kulturellen Wahrzeichen Staten Islands – mit Auftritten von Stars wie Tony Bennett, Cyndi Lauper und Jerry Seinfeld.



Freshkills: Der Müllberg und die Zukunft Staten Islands

So steht Staten Island auch für Wandel und Neuerfindung. Nirgendwo deutlicher als in Freshkills. Zeitweise war Freshkills die größte Mülldeponie der Welt. Heute entsteht hier eines der ambitioniertesten Stadtentwicklungs- und Umweltprojekte der USA.

Schritt für Schritt verwandelt sich Freshkills in einen riesigen Park mit Feuchtgebieten, Wanderwegen, Freizeitflächen und neuen Lebensräumen für Tiere und Pflanzen. Nach seiner Fertigstellung wird der Freshkills Park fast dreimal so groß sein wie der Central Park. Einige Bereiche sind schon jetzt zugänglich.

Die Staten Island Ferry bietet noch immer einen der schönsten Skyline-Blicke der Stadt. Aber wenn man sich die Zeit nimmt, beginnt hinter dem Hafen ein Borough voller lebendiger Folklore, kultureller Erinnerungen, urbaner Legenden und echter Originale.
Weitere Infos:
New York City Tourism + Conventions
New York City Tourism + Conventions

Kontakt für weitere Informationen:

Christina Sahlmann
nyc@harwardt-marketing.com