Ein dampfender Kaffeebecher und ein frischer Bagel auf dem Weg durch Midtown. Ein übervoll belegtes Pastrami-Sandwich in einem Deli mit Marmortheke. Ein Pizza-Slice und ein cremiges Stück Cheesecake. New York City ist seit Jahrzehnten eine Projektionsfläche für kulinarische Sehnsuchtsbilder – aus Popkultur und Serien.
Die Metropole zählt konstant zu den US-Städten mit den meisten Michelin-Sternen, doch wer heute durch die fünf Boroughs streift und genauer hinschmeckt, merkt schnell: Richtig spannend wird es in den Nebenstraßen, in Nachbarschaften, auf Märkten und in familiengeführten Restaurants – dort, wo der sprichwörtliche Schmelztiegel geschwenkt wird.
Neighborhood Food – wo jedes Viertel eine eigene Speisekarte hat
Jackson Heights (Queens), rund um die Roosevelt Avenue (Subway 74 St–Broadway), gilt als eines der ethnisch vielfältigsten Viertel der Vereinigten Staaten und Eater NY feiert immer wieder die abwechslungsreiche Foodszene. Über 160 Sprachen werden hier gesprochen und auf wenigen Blocks finden sich Hunderte Restaurants, Cafés und Essensbetriebe, die eine wahre Weltkarte der Kulinarik abbilden.
Im tibetischen Restaurant Phayul dampfen würzig gefüllte Momos in heißer Brühe. Gleich um die Ecke serviert Arepa Lady kolumbianische Arepas: dicke Teigfladen aus Maismehl mit geschmolzenem Käse und Chorizo – ein Streetfood-Hit, der heute Kultstatus genießt.
Viele Betreiber:innen leben seit Jahrzehnten im Viertel, kochen Familienrezepte und prägen die Identität der Nachbarschaft. Zu finden ist dieses authentische Erlebnis nur 25 Minuten mit der Subway vom Times Square entfernt.
In Sunset Park (Brooklyn), rund um die Subway-Station 36 Street, treffen mexikanische Taquerías auf chinesische Dim-Sum-Restaurants. Entlang der 8th Avenue zwischen 40th und 60th Street, auch als „Brooklyn Chinatown“ bekannt, spürt man den Einfluss der chinesischen Community, während ein paar Blocks weiter auf der 5th Avenue (nicht zu verwechseln mit Manhattans 5th Avenue) Tacos al Pastor direkt vom Drehspieß geschnitten werden. Das Viertel liegt zudem in Laufnähe zum gleichnamigen Park mit Blick auf die Skyline – ein idealer Food-Stopp auf dem Weg in die angesagte Industry City.
In der Bronx lohnt sich ein Abstecher zur Arthur Avenue (Subway 182nd–183rd Streets). Im Arthur Avenue Retail Market, dem Herzstück des 'echten' Little Italy, verkaufen Familien seit Generationen frische Pasta, Cannoli und luftgetrockneten Prosciutto und nur wenige Schritte entfernt, im Casa Della Mozzarella gibt es den berühmten, handgepflückten Käse. Die Nähe zum Bronx Zoo und dem New York Botanical Garden macht die Straße zu einem perfekten Ziel für das Abendessen.
Der 1940 eröffnete Essex Market (Subway Delancey/Essex) verbindet historische Markttradition mit zeitgenössischen Food-Konzepten und steht exemplarisch für die kulinarische Entwicklung der Lower East Side. In der lichtdurchfluteten Markthalle verkaufen über 40 Händler alles von jüdischen Backwaren bis zu lateinamerikanischen Spezialitäten, während junge Start-ups mit fermentierten Chilisaucen oder veganen Desserts experimentieren.
Ganz anders, aber ebenso spannend: Smorgasburg in Williamsburg (Subway Bedford Ave). Der größte Openair-Wochenendmarkt der Vereinigten Staaten findet saisonal von Frühjahr bis Herbst statt und gilt als Trendbarometer. Hier entstehen „hybride“ Gerichte wie Ramen-Burger, koreanisch inspirierte Corn Dogs oder nigerianische Jollof-Reis-Bowls mit texanischem BBQ-Twist. Viele Konzepte beginnen als Marktstand und wachsen später zu festen Restaurants heran.
Der Union Square Greenmarket (Subway 14 St-Union Square) lässt sich perfekt als Abstecher in einen Tag auf Manhattans 5th Avenue und im Flatiron District einplanen. Er ist eine Brücke zwischen Stadt und Land, zwischen Farm-to-Table-Philosophie und urbaner Kochkultur im Herzen Manhattans. Spitzenköch:innen aus der ganzen City kaufen bei den bis zu 140 Bauern und Produzenten aus dem ganzen Bundesstaat New York ein, die hier zur Hochsaison ihre Waren anbieten – vom biodynamischen Käse aus dem Hudson Valley bis zu alten Tomatensorten aus Upstate New York.
Immigrant Cuisine – Third Culture Cooking
In Restaurants wie Tatiana by Kwame Onwuachi (nahe Lincoln Center, Subway 66 Street) interpretiert der Chef seine afro-karibischen Wurzeln neu: Curry Goat Patties oder Short Rib Pastrami erzählen von Wanderschaft, Identität und persönlicher Geschichte. 2023 wurde Tatiana by Kwame Onwuachi von der New York Times zum besten Restaurant der Stadt gekürt.
In Brooklyn bringen junge Köch:innen mit „Third Culture“-Konzepten ihre Biografien auf den Teller: etwa koreanisch-mexikanische Tacos, ghanaisch-amerikanische Fusion-Küche oder vietnamesische Klassiker mit französischem Einschlag – ein kulinarisches Echo kolonialer und globaler Verflechtungen.
Menüs werden persönlicher: Statt nur Gerichte aufzulisten, erzählen viele Restaurants inzwischen die Geschichte hinter dem Rezept – von Großmüttern, Migrationserfahrungen oder Community-Projekten.
Hyperlokal & Zero Waste Urban Farming, Zero-Waste-Konzepte und saisonale Speisekarten – Restaurants arbeiten enger mit Produzenten aus dem Hudson Valley zusammen und reduzieren bewusst ihre Lieferketten. Immer mehr Küchen arbeiten mit klarer Herkunftskennzeichnung. Kräuter stammen vom Dachgarten oder aus dem eigenen Urban-Farm-Projekt. Reste werden fermentiert oder weiterverarbeitet – Nachhaltigkeit wird selbstverständlich.
Third Culture Cooking „Third Culture Cooking“ ist ein zentrales Thema in den aktuellen New Yorker Food-Medien. Eater hebt sie als bewusste Bewegung hervor, in der Köche mit Migrationshintergrund das Erbe ihrer Eltern mit ihren eigenen Erfahrungen verbinden. Es ist ein Wandel von „Fusion“ als willkürlichem Mix hin zu einem oft persönlicheren und fundierten Zugang zu Identität und Geschmack.
Sober-Curious-Movement New York City gilt als ein Zentrum der wachsenden Sober-Curious-Bewegung. In Bars rund um die Lower East Side entstehen komplexe alkoholfreie Pairings mit hausfermentierten Zutaten, adaptogenen Kräutern oder regionalen Früchten. Auch hausgemachte Tonics und Mocktails auf Fine-Dining-Niveau gewinnen weiter an Bedeutung.
Food als Begegnungsraum Restaurants fungieren zugleich als Community-Spaces, Weinbars, Kunstorte oder Mikro-Manufakturen. Pop-ups und offene Küchenabende schaffen neue Formate. Essen wird als Gelegenheit zur Begegnung wahrgenommen.
Das Visit USA Committee Germany e.V. ist ein Zusammenschluss von über 150 Unternehmen, die gemeinsam den Tourismus aus Deutschland in die USA fördern. Das Visit USA Committee Germany ist damit das führende Netzwerk für den US-Tourismus in Deutschland.