100 Jahre Highway 61: Wo Amerikas Seele hörbar ist
Die "kleine Schwester" der Route 66 heißt auf ihrer Teilstrecke durch Mississippi nicht zufällig „Blues Highway“
Letzte Änderung 22.01.2026
Ein erstes Must-See auf dem Roadtrip ist das Gateway to the Blues Museum in Tunica. Die Ausstellung in einem grob zusammengezimmerten ehemaligen Güterbahnhof erzählt von den Vätern und Müttern des Blues, von Howlin‘ Wolf bis Charley Patton und Bessy Smith. Weiter geht es nach Clarksdale, wo jeden Abend Bluesmusik live spielt, auch in Morgan Freemans Club Ground Zero – und wo das Delta Blues Museum noch mehr Geschichten erzählt. Und wo an der Kreuzung des alten Highway 61 und des Highway 49 – „The Crossroads“ – um 1930 herum der „König des Delta Blues“ Robert Johnson dem Teufel seine Seele verkauft haben soll, um die Gitarre noch besser spielen zu können. Der Mississippi Blues Trail erklärt auf mehr als 200 blauen Schildern, den „Markers“, wichtige Orte dieser Musik und bildet sie auch online ab: als ein Wegweiser zur Bluesgeschichte in dem Bundesstaat und darüber hinaus.
Bis Anfang des letzten Jahrhunderts waren Fernstraßen der USA kaum mehr als Feldwege. Ein Durcheinander von rund 250 Routen unterschiedlichster Namen, festgelegt von privaten Zweckverbänden, wie gemacht zum sich Verirren. Ordnung musste her. Im Laufe des Jahres 1925, bei den Vorbereitungen für die erste einheitliche Nummerierung durch eine Initiative die Einzelstaaten und dem Aufstellen der ersten Schilder, kam die Route zu ihrer „61“ und die große Schwester zu ihrer "66". Und am 11. November 2026 wurde das „United States Numbered Highway System“ auch offiziell von der Bundesregierung beschlossen: damals 122.000 Kilometer Fernstraßen, von den Bundesstaaten und Kommunen unterhalten – meist mit ungerader Ordnungszahl in Nord-Süd-Richtung, in gerader Zahl von Ost nach West. Auch andere Traumstraßen feiern somit Geburftstag, darunter auch die Route 90 entlang der Golfküste von Mississippi.
1956 beschloss der Kongress den Bau der Interstate Highways in der Regie der Bundesregierung, heute das Rückgrat des Fernverkehrs. Das ältere System der Staaten und Städte wuchs weiter auf heute eine Viertelmillion Kilometer: mit dem Highway 61 für einen Roadtrip, der sich mystisch gut anhört, auch alle anderen Sinne tief anspricht und die Seele der Südstaaten offenbart.